Der Tag verstreicht mir sinnentleert
Das früher wesentlich genannte 
zeigt mir ziemlich unbekannte 
uferfremde oder ferne Seiten.

Mich überzeugt die Relevanz von beispielsweise Plastikschlappen, 
mit denen lächelnd oder zögernd 
ich mir erlaube oder muss,

voll Gier nach pittoresken Sachen 
 und Lust nach jedem Sinnesreiz, 
 mich niemals einer Einsicht beugend,
fort von Gut und Schlecht zu gehen.
die bilder

Goa

Auch in Goa

Kann sein, ich bin nur eine Laune,
die selten kommt und bald vergeht,
die dennoch vage fortbesteht,
auch dann, wenn man sie längst vergaß.

Wenn ich mich jetzt erinnernd spüre, 
wie dieses Dasein mir verschwimmt,
 ereignisreich,
betrachte ich von ferne nur und unbeteiligt,
was mich doch nah und stark bestimmt,

dann schwindet jeder Wille mir,
an meinen wirkungslosen Taten noch zu
 halten,
wie an diesem ganzen Denken:
Die  Atemzüge
 meines Hirnes verflachen sich ins 
Ungewisse.

Und sollte ich es noch erreichen,
dass diese Laune mich erhält,
verscharrt sie Überflüssiges,
nur Fetzen, kraftlos und amorph.

Am Strand dort stinkt ein toter Hund,
für Krähen ist er wohl gesund.
Und es erinnert mich daran, 
wenn ihre Schnäbel an die Rippen
tippen.

Er bleibt vergessen.
Wie seid ihr denn, ihr dezentralen Wesen?
Warum wächst mir nicht auch ein zweiter
 Kopf?
Hatjemals jemand irgendwas empfunden,
wie Sonnenlicht vom subkutanen Speicher 
voll Wonne aus Geschlechtsorganen
 tropft?

Begrüßenswert, wenn neue Kannibalen
mich einverleibten, wo ich still geborgen
im warmen Schleim die Säuren mischen
 könnte.
Als geiles Opfer, Embryo und Vater,
zög ich der Welt dann neue Stiefel an.

Voran, voran, wir haben jetzt Tentakel, 
und Schnäbel, hart und auch bezahnt.
Wir wissen nicht, dass einstmals nackte
 Hände
sich schreibend wünschten so zu sein wie
 wir.

Es ist ein besseres Leben hier, voll üppiger
 Gefühle.
Gesänge strömen tief aus uns heraus.
Es sind die Hymnen einer 
schlammgepanschten Liebe,
und keine Hand verändert mehr die Welt.

Die Welt verändert uns, sie formt die 
Körper, 
und nie mehr wollen wir dem widerstehen.
Wir sprengten Fesseln, Fesseln einer
 Weise,
die großes wollte und Monströses schuf.

Vielleicht wird morgen als Verheißung
dessen,
der Schmerz mein Freund und alles Elend
 gut.
Vielleicht gelingt es mir, flach auf der
 Erde liegend,
der Nässe und der Kälte meine Haut 
ein wenig aufzuschließen, so dass feine
 Keime
mir neue Perspektiven geben.

Ego so nett

Bist du es, der im Soge meiner Nächte
Noch kaum erahnt und traumbenommen
 aus dem Spiegel schritt?
Bist du es, der mit sternenkühlen Liedern,
der Nacht zu dienen, leise zitternd meine
 Sinne schnitt?

Ich seh dich, dessen Bild ich nun verstehe,
des Mondes nackter Körper, der selbst hier
 im Lichte liegt.
Du weißt es meinen Wünschen zu
 bestehen,
zum Sternenhort zu tauchen, dessen
 Helligkeit versiegt.

Tief folgst du mir ins junge Herz der
 Nacht,
ins blasse Land der endlich stillen
 Scherben,
zum Grund des ewig dunklen Lichts.

Ins kalte Meer des Lebens,
zum geilen Stein der Lust.
Nackter Mond, der Sog bist du.

Geile Bestattung

Albrecht Rieger Digitalgrafik Hirnfeeling mit lyrischen Texten und Textfragmenten
ausschnitt aus hirnfeeling. der lyrische text links oben entstand parallel zum bild.
Vieles fließt heute zur letzten Erscheinung
des schnüffelnden Köters im
 Hochzeitsgewand.
Vieles kotzt endlich Gedankenentbeinung
von harter Empore, von kaltem Verstand.

Nicht Beute, nicht Fraß, noch Begattung
bekommen wir hier in den Mund.
Nicht Füllstoff, nur geile Bestattung
mit klebriger Zunge:
 Begriffsweltenschwund.

Ein Bellen das letzte: Extase
der Spaltengerüche: geschmolzenes Hirn.
So grau quillt's durch Zähne, so
 pseudogesund.

Hinunter in wartende Löcher.
Hinunter so grau. Jetzt endlich
kichern die Steinchen, die Seelchen, "Hi,
 hi!"

innere mumie

den spürt er nicht mehr
der zerbröselte unterm panzer
und der staub knirscht im ringmuskel
zu stoffwechselklumpen gepresst kullert
 er ab

da raschelt dann der eingetrocknete abrieb
wenn ihn die flimmerbeinchen kicken
geröntgt ein mulmentleertes kerbtier vor
 knochenmehlbrocken
die müssen die mandibel malmen
zu mumienpulver - peppt die brut!

denn hier garniert das widerich des
 widerlich sich
und widerich wird wieder ich
wenn ich den dreck schlecke bis er
 schmeckt

dann pofft die packung auf
dann boomt die ballerine
dann prahlt der dralle strahleputz

denn stört dich das insekt sieh zu dass es
 verreckt
hier flirre ich dann ich dann ich dann
(mit flügelchen ganz frisch und zart)

wo warst du als es anfing

was hast du dazu gesagt
als du nicht leugnen konntest dabei zu sein
was hast du getan
um es nicht zu leugnen oder zu
 beschwichtigen
hast du dich schließlich darauf
 eingelassen
und ist es dir gelungen
dir selbst einzureden du wärest damit
 einverstanden
glaubtest du die versprochenen vorteile
würden deinen verlust aufwiegen
und was wäre gewesen
wenn du nicht mitgemacht hättest
vielleicht dein untergang
oder deine freiheit
oder du selbst

was haben sie mit dem gemacht

ein schrecken
dem der anlass fehlt der in keinem wort
sich nennt in keinem geräusch
ruft geruchlos ist
auch das thali schmeckt nicht danach
keine schlagzeile gibt den ausschlag
die symphonien schaffen es nicht
die tankstellenverkäuferin schweigt dazu

wir scheinen es nicht zu bemerken
das dauert an der schrecken
eine art ruhe
im lärm seiner ursache tarnt er sich
videoclips von gräueltaten wetteifern
 damit
nicht die spendenaufrufe
kein sommersmog das melanom
es liegt daran dass ich mitschwinge
ein resonenzkörper schlägt den anderen an
bis alle glücklich sind
sind die unglücklichen die
unerschrockenen
wie denn ist er doch
des alltags weißer klang
der wald vor lauter bäumen nicht
nur statistik
er wurde längst bemerkt und erklärt
aber das ändert nichts
ihn beseitigen hieße
wieder zu jagen
nachdem platz gemacht wurde

wer erinnert sich an das erste mal
wer hat ihm standgehalten
und was haben sie mit dem gemacht

Kannibalenhymne

Das Schwein hat in der Iconografie Albrecht Riegers eine ambivalente Bedeutung. Schweine-Icon von Albrecht Rieger als Gebrauchsgrafik

gallert(t)räume

es ist zu spät um mir nah zu sein
ich weiß nicht wonach ich suche
kann sein dass ich fliehe
ich will weg und weiß nicht warum
je länger ich gehe desto weiter der weg
jede tat kostet sinnlose mühe
mit der eile wächst die verzögerung
aus belanglosen gründen kann ich nicht weiter
ich fürchte dass ich zu spät komme wohin
jede richtung scheint irrig
während die zeit immer knapper wird und meine ungeduld zu angst ahne ich dass der ausgang nicht räumlich ist
es ist am rande dessen was ich verstehe
ich sehe sie nur in den augenwinkeln
möglicherweise gehöre ich nicht dazu
schon lange kenne ich sie nicht
ich verwechsle mich mit ihnen
ihre gesichter sind amorph
sie wenden mich ab
ihre absichten sind mit unbekannt
ich verstehe was sie nicht sagen
mit mühe antworte ich wie erwartet
ich weiß nicht was ich verschweige aber sie verlangen es von mir kaum dass ich noch denken kann
es ist stets dort wo ich nicht bin
die umgebung umgibt mich nicht richtig
ich spüre nicht wind noch temperatur
die luft gerinnt zu klarem gallert
schon wieder zittert das haus
am fenster drücken sie sich die augen platt
der teppich schlägt blasen
die bücher schwimmen fort
flaschen platzen
da sie mich sanft ins terrarium pflanzten und ansichten dazu wage ich nicht in den spiegel zu sehen
warum lasse ich das zu
das copyright hat albrecht rieger, 2021
das webdesign ist von albrecht rieger
das konzept und die redaktion sowieso
der anfangdie bilder 1das große gorgoneiongorgoneion detailansichtdas labyrinthdas labyrinth detailansichtdas leistungstraumaleistungstrauma detailansichtder beifanggedankeneiereinkaufszentrum im einkaufszentrum detailansichtspiralkopf 1spiralköpfe 2friss dich vollfriss dich voll detailansichtkalis gesangim spiegel 1im spiegel 2glaube nichtglaube nicht detailansichtblaue zungenbrainburnerdie bilder 2die ausgeburtder zyklopzündet pyros in den bürosder schneeballder schneeball detailansichtfußgängerzonegeister schweine und tigergeister schweine und tiger detailansichtder spacko und seine ahnenultima omegaultima omega detailansichtinnere mumieinnere mumie detailansichtdie große angstminotaurus und theseusdie textelyrik tranche 1lyrik tranche 2roman noir die krähendie personadie anderender kontakt